Erst zwei Wochen, jetzt drei Wochen

Schülerstation am Kreiskrankenhaus Bergstraße kommt gut an.

Foto Kreiskrankenhaus Bergstraße/Thomas J. Zelinger

Projekt wird zum festen Angebot für Abschlussjahrgänge der Gesundheitsakademie Bergstraße // Positive Bilanz nacherster Neuauflage

KREIS BERGSTRASSE | Juli 2018 | Mit der Idee, eine Schülerstation zu etablieren, haben das Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim und die Gesundheitsakademie Bergstraße, die Krankenpflegeschule im Kreis, im Vorjahr Neuland für sich betreten.

Zugleich war das Projekt ein Novum in der Region. Das Konzept: Auszubildende in der Gesundheits-und Krankenpflege verantworten für eine begrenzte Zeit den Betrieb einer Station, und das in der Pflege wie im Organisatorischen. Examinierte Pflegekräfte, Praxisanleiter und Lehrerhalten sich im Hintergrund, sind aber, wenn erforderlich, zur Stelle. Das Konzept kam schon bei der Premiere gut an. Jetzt, im Folgejahr 2018, ist die Schülerstation fester Bestandteil im letzten Ausbildungsjahr an der Gesundheitsakademie. Verantwortliche der Gesundheitsakademie und des Krankenhauses wissen sich auf einem guten Weg, um die Krankenpflegeausbildung inhaltlich weiter zu stärken und ihr zusätzlich Attraktivität zu geben. Die Station eröffnet den jungen Frauen und Männern interessante Praxiseindrücke und fördert die Teamarbeit. Kurz vor dem Examen ist ein solches Projekt ein hilfreicher Baustein in der Ausbildung, das zeigen die ersten Erfahrungen. Dem Auftakt im Vorjahr folgte in diesem Jahr bereits eine erste Neuauflage, und derzeit wird an einer neuerlichen Auflage im Spätsommer für den nächsten Examensjahrgang gearbeitet. Das Projekt ist inzwischen länger angelegt wie beim ersten Mal, aus zwei Wochen sind drei Wochen geworden, was am Krankenhaus und in der Gesundheitsakademie, dort von Leitung und Schülerseite gleichermaßen, als deutliches Plus gewertet wird. So lässt sich nach den Tagen des Einarbeitens in eine Routine finden, die dem Stationsbetrieb gut tut, der Lerneffekt für die Schüler fällt somit größer aus.

Gudrun Statz, Leiterin der Akademie, spricht von einem „Aha-Erlebnis in der dritten Woche“ für die Schüler. Auch Martina Schwarz-Arnold, stellvertretende Pflegedienstleiterin am Kreiskrankenhaus wertet die zusätzliche Woche als „gut“. Sie sei ein Gewinn, weil der Betrieb dann flüssiger laufe, die Schüler können sich besser einbringen. Die Schülerstation sei eine „gute Examensvorbereitung“, bilanziert Gudrun Statz. Sie macht noch intensiver den späteren Arbeitsalltag erlebbar. Die jüngste Auflage des Projekts resümierend, sagt Statz mit Blick auf die Schüler: „Sie haben auch gelernt, wie wichtig Teamarbeit mit anderen Berufsgruppen für eine gute Patientenversorgung ist.“ Die jungen Leute selbst, das zeigt das Gespräch mit einigen aus ihrer Runde, fühlen sich ernstgenommen, bekommen einen tiefen Einblickin die Stationsarbeit, die Abläufe, die Kommunikation. Und sie erleben, wieviel Verantwortung sie künftig als examinierte Pflegekräfte haben.

Erstaunt zeigten sie sich beim jüngsten Projekt, was allesjenseits der klassischen Pflege in ihrem Beruf geleistet werden muss. Gemeint ist beispielsweise die Schreibtischarbeit im Vorfeld einer Operation oder einer Anschluss-Heilbehandlung. Da fallen schon mal in Anerkennung der täglichen Leistung gestandener Kollegen, die Worte von einer „riesigen Menge Organisationsarbeit“. Schülerstation bedeutet für die künftigen Gesundheits-und Krankenpfleger demnach arbeiten unter Normalbedingungen. So wie es absehbar mit dem Examen in der Tasche sein wird.

Die Patienten auf der Station fühlen sich übrigens äußerst wohl in der Obhut der jungen Leute. Stellvertretende Pflegedienstleiterin Schwarz-Arnold hat die Reaktionen von Patienten auf das Projekt hautnah im Kranken-hausbetrieb erlebt, sie sagt: „Die Patienten sind begeistert“.

Bei der Premiere und der ersten Auflage in diesem Jahr wurde die zur Orthopädie gehörende Station 11 zur Schülerstation. Für das nächste Mal soll eine Station der Inneren Medizin ausgedeutet werden. Teil des Konzepts ist es, dass im Wechsel alle medizinischen Fachbereiche des Kreiskrankenhauses eingebunden werden.